Wieder Zuhause

Nun bin schon wieder fast einen ganzen Monat lange in Zuhause. Dies wird nun auch der letzte Eintrag auf diesem Blog werden weil mein FSJ jetzt beendet ist. Ich möchte mich bei allen meinen Spendern und Bloglesern, die bis jetzt durchgehalten haben, bedanken, die dieses Jahr für mich und andere Freiwillige ermöglicht haben. Ich hatte in Bolivien eine sehr tolle Zeit mit vielen neuen Erfahrungen, Freunden und Abenteuern. Da mein letzter Blogeintrag noch nicht alle diese Erfahrungen abdeckt, möchte ich hier noch über meine letzten Monate in Bolivien berichten.

Die Arbeit in der Schule setzte ich wie immer fort, allerdings habe ich mit meinen Schachschülern den Unterricht intensiviert. Nach meinem Aufenthalt in Cochabamba aus dem letzten Eintrag hatte ich nur noch ca. einen Monat Unterricht, da Ende Juli die Winterferien begannen. Die Jahreszeitlichen Unterschiede begrenzen sich in Bolivien auf eine sehr geringe Temperaturveränderung (verglichen mit Deutschland). Aber dennoch beginnt die Schule an den hohen, kalten Orten Boliviens in dieser Zeit erst eine halbe Stunde später (9:00), was ziemlich angenehm war. Zu Beginn trainierte ich mit meinen Schachschülern immer auf dem Brett, je näher jedoch der Wettkampf kam habe ich umso öfters auch meinen Laptop mit in die Schule gekommen, um den Kindern einen schwierigeren Gegner zu geben. Am 18 Juni war es dann soweit, und meine beiden Schüler, die Direktorin und ich fuhren nach Sucre. Für die Kinder war dies deutlich interessanter als für mich, weil diese bis jetzt erst einmal in Sucre waren, um dort ihren Personalausweis zu erstellen (obwohl Sucre ja nur 60 km von Tarabuco entfernt ist). Vieles was sie dort sahen war also komplett neu und sehr spannend für sie. Auf dem Wettkampf haben sie sich ganz gut geschlagen, wir fuhren mit einem Dritten und einem Vierten Platz nach Hause (Leider kam nur immer der erste Platz in die nächste Runde).

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Beim Wettkampf in Sucre

Da sich nun meine Zeit dem Ende näherte arbeitete ich immer wenn ich konnte mit dem Schmied zusammen, und wir haben mir auch ein „Abschiedsmesser“ geschmiedet.

Als dann die letzten Ferien begannen und wir nicht mehr in der Schule arbeiten konnten, haben wir uns ein letztes Mal in Bolivien auf Reisen begeben. Diesmal sollte die Reise nach La Paz gehen um dort den Huayna Potosi (6088m) zu besteigen. Leider wurde ich kurz vor der Abreise ziemlich krank und ich konnte den Mädchen erst einige Tage später hinterherreisen. Als ich ankam hatten diese natürlich schon alles andere was man dort machen kann schon gemacht und ihr Plan war am nächsten Tag die Bergtour zu beginnen. Weil ich mich noch nicht fit genug gefühlt habe, aber trotzdem unbedingt auf den Berg gehen wollte, haben ich mich dazu entschlossen erst einen Tag später als die Mädchen aufzubrechen, aber sie dann im Basislager einzuholen, weil sie am ersten Tag nur einen Kurs gemacht haben. Wir haben uns also einen Tag später wieder am Berg getroffen und konnten so den Gipfel gemeinsam in Angriff nehmen. Insgesamt lässt sich zu unserer Truppe sagen, dass wir auf der Tour alle drei ziemlich angeschlagen waren und ich den Berg schwieriger als meinen ersten 6000er fand, was wohl an meinem Husten lag. Dennoch haben wir es alle drei auf den Gipfel geschafft obwohl es extrem anstrengend war und ich diesmal auch mit Problemen wie Müdigkeit zu kämpfen hatte.

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An diesem Punkt habe ich eine Kleine Liste der jetzt in Bolivien und Peru bestiegenen Berge gemacht (vielleicht werden es ja irgendwann auch noch mehr;)):

  1. Parinacota 6348m IMG_5991
  2. Huayna Potosi 6088mIMG_6391
  3. Cerro Austria 5321mIMG_5411
  4. Rainbow Mountain 5100mIMG_5262
  5. Cerro Rico 4800mIMG_3664
  6. Tarabuco-Berg 3700mIMG_2932

Wieder in La Paz angekommen sollte es nach Rurrenabaque gehen, einem Ort im Bolivianischen Tiefland. Der Ort liegt auf 205m Höhe, wir sind also innerhalb von zwei Tagen fast sechs Kilometer nach unten gereist. In Rurrenabaque kann man Bootstouren mieten, bei denen man viele exotische Tiere beobachten kann. Schon kurz nach dem einsteigen ins Boot sieht man entlang des Ufers extrem viele Alligatoren, die zwar tagsüber völlig faul da liegen, aber bei mir trotzdem zumindest anfangs für eine etwas angespannte Atmosphäre gesorgt haben. Manchmal wurde diese noch dadurch bestätigt, dass einer dieser Alligatoren einfach abtauchte und man ihn nicht mehr finden konnte. Oder wenn man am Flussufer nicht nur die relativ kleinen Alligatoren sieht, sondern auch schwarze Kaimane, die aufgrund ihrer Größe (bis zu 6m) deutlich mehr Respekt einflößen. Abgesehen davon hat man hier eine extrem große Vielfalt an exotischen Vögeln beobachten können. Ab und zu konnte man am Ufer auch sogenannte Capivaras sehen. Am Nachmittag des ersten Tages sind wir auf eine Gruppe kleiner Affen gestoßen, die (wegen Fütterungen) keine Angst vom Menschen haben. Im Verlauf der drei Tage die wir auf und neben dem Fluss verbracht haben konnten wir sehr viele Tiere beobachten, und haben noch spezielle Aktivitäten gemacht, wie zum Beispiel eine relativ erfolglose Anakonda-Suche, aber dafür waren wir sehr erfolgreich beim Piranha fischen. Am letzten Tag haben wir uns auch ins Wasser getraut, was mich einige Überwindung gebraucht hat, weil ich die Alligatoren, Kaimane und Piranhas ja schon gesehen habe. Es war allerdings komplett sicher, weil im gleichen Teil des Flusses das Revier eines Flussdelfins war, vor denen selbst die Kaimane Angst haben. Während unserer ganzen Zeit im bolivianischen Tiefland gab es immer gutes und interessantes Essen, meistens mit viel Kochbanane.

Zurück in Tarabuco angekommen blieb uns noch eine Woche, die wir an unseren Arbeitsstellen verbracht haben. In dieser Zeit konnte ich mich nochmal bei allen meinen Schülern und Kollegen verabschieden. An meinen letzten Schultag haben wir außerdem ein kleines Abschiedsessen veranstaltet. In dieser Woche war ich einerseits sehr traurig, dieses Jahr nun zu beenden und zurückzukehren, anderseits war ich auch schon wieder gespannt auf Deutschland. Insgesamt war dieses Jahr für mich eine super Erfahrung in dem ich viel gelernt habe.

Streiks, Spuren und Sechstausender

Seit meinem letzten Blogeintrag ist jetzt auch schon wieder relativ viel Zeit vergangen und mein Jahr in Bolivien neigt sich dem Ende zu. In der Schule unterrichte ich jetzt vermutlich nur noch circa einen Monat, denn der Juli ist vor allem von den bolivianischen Winterferien und einem kurzen Treffen in Santa Cruz vor dem Abflug geprägt.

In den letzten Monaten haben die Bauern in Tarabuco und in den umliegenden Dörfern mit der Ernte angefangen. Das hieß für mich und Don Martin in der Schmiede ziemlich viel Arbeit. An manchen Tagen haben wir über acht Stunden in der Schmiede gehämmert und geklopft. Weil ich für meine meisten Reiseziele mehr als ein Wochenende brauche, bin ich in dieser Zeit auch fast gar nicht unterwegs gewesen.

Mein erster nennenswerter Ausflug war dann gegen Ende April, abermals in das Dorf Icla, in dem wir als WG schon einmal zu Beginn des Jahres waren. Dort wollte ich diesmal den Canyon flussabwärts folgen, wofür wir letztes Mal keine Zeit hatten. Das hat sich dann auch als extrem lohnend herausgestellt, weil der Canyon in diese Richtung deutlich schmaler und abenteuerlicher wurde (an manchen Stellen war es ziemlich schwierig mit meinem großen Camping-Rucksack) und ich unweigerlich etwas nass wurde. Außerdem wollte ich diesmal die Dorfbewohner fragen, ob sie mir die Fossilien und vorspanischen Relikte zeigen können. Ich musste nicht lange fragen, bis ich einen Ortskundigen gefunden habe, der mir all dies zeigen konnte. Auf unserer kleinen Wanderung sind wir fast auf eine Schlange getreten, haben Kaktusfrüchte gegessen und mein Führer konnte mir auch noch abgesehen von den Fossilien echte Geheimtipps der Region geben.

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Im April begannen auch die Vorbereitungen für die sogenannten „Pluris“, die Bundesjugendspiele Boliviens. In meiner Außenschule Lajas wurde ich dann einfach der Schachlehrer für vier Schüler (fünfte und sechste Klasse). Das hieß, dass ich deutlich weniger Unterricht hatte, aber dafür Zeit zum Schachtraining mit den Schülern. Im Mai haben es die Schüler dann auch geschafft auf dem Wettkampf in Tarabuco echt abzuräumen. Das Resultat waren zweimal der erste Platz und zweimal Platz Nummer zwei. Dadurch haben sich die beiden ersten Plätze für den kommenden Wettkampf in Sucre qualifiziert (auf Bundeslandebene), wo ich Mitte Juni mit ihnen hinfahren werde. Deshalb sind wir nun noch intensiver am Trainieren.

Kurz nach meinem Ausflug nach Icla begann eine seltsame Phase bei uns in Chuquisaca. Aufgrund einer Gebietsstreitigkeit mit dem Nachbarbundesland stand in ganz Chuquisaca mehr als zwei Wochen alles still. Die Schule ist ausgefallen, fast niemand hat mehr gearbeitet, in Sucre waren alle Läden zu (bei uns wurde das zum Glück nicht so ganz ernst genommen) und alle Straßen wurden komplett blockiert (Mit Steinen, Schutt, Autos und brennenden Autoreifen). Wir saßen also etwas in Tarabuco fest ohne wirkliche Beschäftigung. Weil mir irgendwann wirklich langweilig wurde, habe ich damit angefangen Messer zu machen, was eine gute Beschäftigung war. Die Rohlinge sind jetzt mittlerweile alle soweit fertig und in der Schmiede gehärtet, es fehlt nur noch der Griff und das Schleifen.

Mitte Mai hat sich die Lage dann wieder beruhigt und nun ist alles wieder normal.

In meinem Ferien-Eintrag hatte ich schon einmal vom Sajama-Nationalpark und meiner gescheiterten Bergtour berichtet. Am 25 Mai sah ich meine Chance auf einen erneuten Anlauf gekommen, weil wir ein verlängertes Wochenende zur Verfügung hatten. Direkt nach der Schule begann meine Reise Richtung Parinacota, welche mich fast 24 Stunden gekostet hat. Im Park angekommen habe ich mich direkt mit einem Guide getroffen und die Tour geplant.

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Vikuñas auf dem Weg zum Dorf
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Der Parinacota (links) mit dem etwas kleineren Pomerape nebendran

Weil ich keine anderen Leute finden konnte, die den gleichen Plan hatten wie ich (zumindest am gleichen Tag) und man auch alleine mit einer höheren Wahrscheinlichkeit auf den Gipfel kommt, als zusammen mit schlecht akklimatisierten Umdrehern, habe ich mich entschieden die Tour alleine mit dem Guide zu machen. Dadurch wurde mein Unternehmen zwar um einiges teurer, aber es sind immer noch bolivianische Preise und im Nachhinein war es das wirklich wert. Also ging es noch in derselben Nacht um drei Uhr los. Im Lager angekommen (ca. 5100m) brauchten wir etwa  viereinhalb Stunden auf den Gipfel (schneller als der Durschnitt).

Mein einziges Problem war nicht wie zuvor angenommen die Höhe, sondern eher die Kälte, die meinen Trinksack komplett zugefroren hat. Aber nachdem man mal eine Weile aufgestiegen ist, hatte sich auch dieses Problem irgendwann gelöst. Allein für den Sonnenaufgang hat sich alles gelohnt, denn man konnte ihn von soweit oben von unten aufsteigen sehen, und das Ganze mit dem Sajama im Vordergrund. Ab ca. 6100 m wurde die Luft dann schon etwas knapp und der Aufstieg wurde deutlich langsamer. Außerdem haben wir sehr viel häufiger Atempausen eingelegt. Der Gipfel (6348m) wurde dann mit einem absolut fantastischen Ausblick (mindestens 250 km Sichtweite), einem Schlückchen des guten 96er und Schokolade belohnt. Aber das atemberaubendste (Mal abgesehen von der Höhe) war der gigantische Krater auf dem Gipfel des Parinacotas. Er nimmt eigentlich den kompletten Gipfel ein und man kann nur am Rand des Kraters stehen. Es gibt keinen Weg herunter in den ca. 100 m tiefen Krater, der einen Durchmesser von etwa 350 m hat. Auf dem Abstieg hat mir dann vor allem dir Hitze gut zu schaffen gemacht, weil es mit Sonne dann echt warm wurde.

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In der darauffolgenden Woche haben wir uns den Freitag freigenommen, weil wir so ein verlängertes Wochenende zum Reisen hatten. Das Ziel war diesmal Cochabamba, eine Stadt in Zentralbolivien die für die zweithöchste Jesus-Statue der Welt und sein Essen bekannt ist. Am ersten Tag (Lottes Geburtstag) haben wir uns also direkt zu Jesus begeben, wo wir zufälligerweise einige Südamerikanische Spitzensportler getroffen haben, die wegen den Südamerikanischen Spielen in Cochabamba waren.

Früh am nächsten Morgen haben wir uns in den Toro-Toro Nationalpark aufgemacht, der sich in der Nähe Cochabambas befindet. Dort haben wir uns am Nachmittag eindrucksvolle Dinosaurierspuren angesehen und sind in einen etwa 300m tiefen Canyon hinabgestiegen um uns dort zu baden.

Am nächsten Tag ging es morgens auf eine kleine Wanderung zu der sogenannten „Ciudad de Itas“, viele eindrucksvolle Felsgalerien, an denen man auch Höhlenmalereinen sehen konnte. Später ging es dann in eine Tropfsteinhöhle, an der manche Passagen extrem eng waren und wir kaum durchgepasst haben. Tief unten in der Höhle gab es außerdem einen kleinen Teich in dem blinde Fische wohnen. Am selben Tag noch haben wir unsere Rückreise nach Cochabamba angetreten, wo wir spät abends angekommen sind.

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Den Sonntag über war ich fast die ganze Zeit auf dem großen Mercado der Stadt und habe dort viel gegessen und andere Dinge gekauft. Auf diesem mercado waren wir fast die einzigen Touristen, was ich eigentlich ganz cool fand, bis mir am Nachmittag fast mein Handy geklaut wurde. Danach bin ich nur noch ohne Wertsachen unterwegs gewesen.

Damit ist so grob alles zusammengefasst, was seit meinem letzten Eintrag passiert ist. Dieses Wochenende gehen zwei Mitfreiwillige und ich auf ein Konzert von der Band „Mago de Oz“, und ich werde in der Schule nun vermutlich wie schon gesagt noch mehr Schach mit den Kindern üben.